Tuerkischer Tee (Info)

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Quelle Kaffee oder Tee, SWR 28.04.2004 Erfasst von Christina Phil:

Zubereitung

_Die Tuerkei_ An der Nahtstelle zweier Kontinente gelegen, hat die Tuerkei im Verlauf ihrer Geschichte Einfluesse des Orients und des abendlaendischen Europas aufgenommen.
Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und dem erfolgreichen Abschluss des tuerkischen Befreiungskrieges im Jahre 1924 orientierte sich die Tuerkei nach Westen. Die Staatsform ist eine parlamentarische Demokratie, vergleichbar der deutschen. Die vorherrschende Religion ist der Islam; die Tuerkei ist jedoch ein weltlicher Staat, der Glaubensfreiheit gewaehrt und laizistisch regiert wird.
Die Wenigsten wissen es: Deutsch ist die erste Fremdsprache in der Tuerkei. In den entlegendsten Ortschaften gibt es fast immer jemanden, der als Dolmetscher helfen kann.
Durch die geographische Vielfalt der Tuerkei weisen die einzelnen Regionen grosse Klimaunterschiede auf: Sind am Mittelmeer die Sommer warm und die Winter mild, herrschen in Zentralanatolien heisse Sommer und schneereiche, kalte Winter vor.
_Anbaugebiet fuer tuerkischen Tee: die Schwarzmeerkueste_
Der ganze Norden der Tuerkei liegt an den Ufern des Schwarzen Meeres. Das Klima an der Schwarzmeerkueste (Nordosten) ist mild und regenreich. Waehrend es bei Trabzon und Rize am meisten regnet mit fast fuenf Meter Niederschlaege im Jahr, sind die Sommer jedoch recht heiss und die Winter mild. Das durch die See ausgeglichene Klima fuehrt zu einer fast tropisch anmutenden, wuchernden Vegetation, ideal auch fuer die Teeplantagen.
_Wie der Tee in die Tuerkei kam_ Çay [tschai], das ist der tuerkische Name des Tees. Die ersten Teeanbau-Versuche wurden 1888 unternommen. Die aus China stammenden Samen und Setzlinge wurden in Bursa, der einstigen Hauptstadt des Osmanischen Reiches angebaut. Die Bevoelkerung Bursas konnte sich jedoch nur kurz am Teeanbau in ihrer Stadt freuen, da die Teesamen keine "Fruechte# tragen. 1892 wurde erneut der Versuch gestartet, Tee in Bursa anzubauen, auch dieser Versuch misslang und man fuehrte es auf die Naturgegebenheiten bzw. aufs Klima zurueck.
Im Jahre 1917 wird eine Expedition ins benachbarte Georgien, nach Batum ausgesandt. Denn hier hatten die Russen erfolgreich Tee angepflanzt, sie besassen damit das noerdlichste Teeanbaugebiet der Welt. Die tuerkische Delegation stellte nun fest, dass in Batum die identischen Klimabedingungen wie im tuerkischen Teil der Schwarzmeerkuesten herrscht. Daraus wurde abgeleitet, dass auch an der tuerkischen Schwarzmeerkueste Tee gedeihen kann. 1924 wurde ein Gesetz zur Herstellung von Tee erlassen, welches die Grundlage fuer den Teeanbau in Rize war.
Im Jahre 1933 wurde ein Programm ins Leben gerufen, das die Umsetzung der Produktion fuer den Eigenverbrauch gewaehrleisten sollte. Die Organisation dieses Programms sollte zwei Jahre in Anspruch nehmen. Im Jahre 1935 kam es zum endgueltigen Entschluss, dass der Teeanbau und die Weiterverarbeitung in Rize erfolgt.
Weitere zwei Jahre vergehen, bis die Vorhaben umgesetzt wurden. Insgesamt 70.000 Tonnen Setzlinge werden im Jahre 1937, 1939 und 1940 von der Sowjetunion abgekauft und eigene Setzlinge in Treibhaeusern herangezuechtet. Im Jahre 1939 wurden spaerliche 181 Kilogramm Tee produziert und im darauf folgendem Jahr 191 Kilogramm. Die erste Teefabrik wurde im Jahre 1947 in Rize gegruendet.
_Die Teeproduktion heute_ Mit einer Produktionsmenge von 180.000 -190.000 Tonnen schwarzem Tee liegt die Tuerkei auf dem fuenften Platz der Rangliste der produzierenden Laender. Der Inlandsverbrauch liegt bei 150.000 - 160.000 Tonnen, exportiert werden die verbleibenden 30.000 - 40.000 Tonnen.
Im Norden der Schwarzmeerkueste sind ca. 204.500 meist kleine Familienbetriebe angesiedelt, die sich auf den Teeanbau konzentrieren.
Der pro Kopf Verbrauch von Schwarztee in der Tuerkei liegt bei ca. 2,3 kg und steigt stetig (Zum Vergleich: Deutschland: 230 Gramm bzw. 2,6 Kilogramm Ostfriesland).
Die Weltproduktion des schwarzen Tees teilen sich die fuenf anbaustaerksten Laender weitgehend unter sich auf: 1. Indien 29 % 2. China 22 % 3. Kenia 10 % 4. Sri Lanka 9 % 5. Tuerkei 6 % 6. Indonesien 6 % In der Tuerkei wird der Rize Çay (aus der Chinapflanze Camellia sinensis -) angebaut, wobei hauptsaechlich Tee-Mischungen angeboten werden, die eine vergleichbare Qualitaet und gleich bleibenden Geschmack sicherstellen.
Die aktuelle Verteilung der Anbaugebiete stellt sich wie folgt dar:
1. Rize 65% 2. Trabzon 21% 3. Artvin 11% 4. Giresun und Ordu 3% Die tuerkische Teepflanze soll laut Angaben weitgehend chemisch nicht behandelt werden, also frei von Pestiziden sein. Vom Geschmack hat der Tuerkische Tee die Eigenschaften eines herkoemmlichen Schwarztees - er ist kraeftig mit einer roetlichen Aufgussfarbe.
_Tee zum Fortbestand guter tuerkischer Sitten und Traditionen_ Nicht nur das warmherzig und offene Wesen der Tuerken, sondern auch die uneingeschraenkte Gastfreundschaft ist ein wertvoller Teil der tuerkischen Kultur, die sich ein grosser Teil der Bevoelkerung erhalten hat. Dazu gehoert auch seinem Gast - sei es nun der Nachbar, der einen spontanen Besuch abstattet oder ein voellig Fremder aus fernen Laendern, der zufaellig vorbeikommt - zumindest ein Glas Tee anzubieten. Fuer diese Menschen ist es eine Ehre, Ihren Gast aufs Beste zu bewirten, denn jeder, der an der Tuer klopft, ist ihrem Kulturverstaendnis nach ein Gast Gottes und sie sind zutiefst verletzt, wenn das Angebot zurueckgewiesen wird.
Auch im gesamten Tagesablauf spielt Tee eine wichtige Rolle, die Zubereitung und der Genuss wird als ein wichtiges, sich wiederholendes Ritual zelebriert. Und dies unabhaengig davon, ob er zum Fruehstueck, in traditionellen Teehaeusern, im Buero, beim Einkauf in Geschaeften oder in der oeffentlichen Verwaltung gereicht und eingenommen wird.
_Ein wichtiger Teil des Rituals: Die Zubereitung im Semaver_
In den Lokalen im Freien, die "Çay Bahçesi# (Teegaerten) genannt werden, wird der Tee aus dem Semaver (aehnlich dem Samovar, der von der russischen Kultur uebernommen und vor allem in oeffentlichen Lokalen benutzt wird) angeboten.
Der Semaver ist ein grosser Behaelter, der mit Wasser gefuellt und wahlweise im Innenschacht mit Kohle oder elektrisch zum Kochen gebracht wird. Dazu werden zwei uebereinander passende Teekannen benoetigt, wobei die obere aus Porzellan sein sollte. Die kleinere, obere Kanne enthaelt das Teekonzentrat, welches sich durch die untere Hitze warmhaelt und der grosse, untere Kessel speichert das heisse Wasser.
Die traditionelle Zubereitung des tuerkischen Tees erfolgt im Semaver. Nur ein traditionell bereiteter Tee entfaltet den vollen aromatischen Geschmack des tuerkischen Tees: * Zum Bruehen sollte kalkfreies Wasser verwendet werden. * In die obere Kanne wird pro Glas ein Teeloeffel Tee und ein zusaetzlicher Loeffel fuer die Kanne hinein gegeben und mit lauwarmem Wasser abgespuelt. * Die untere Kanne wird mit Wasser gefuellt. * Beide Kannen werden aufeinander gesetzt. Waehrend sich das Wasser in der unteren Kanne bei mittelgrosser Hitze erwaermt und aufkocht, entwickeln die Teeblaetter in der oberen Kanne bereits das Aroma. * Das kochende Wasser der unteren Kanne wird in die obere Kanne gegossen. * Erneut wird kaltes Wasser in die untere Kanne nachgefuellt und ebenfalls wieder bei mittelgrosser Hitze langsam aufgekocht. * Nach ca. 15-20 Minuten ist der Tee gut durchgezogen und kann getrunken werden.
Beim Einschenken sollte ein Teesieb verwendet werden. Der Tee wird aus tulpenfoermigen, kleinen Teeglaesern genossen. Durch die spezifische Form des Glases wird das Aroma besser erhalten und die Waerme laenger isoliert.
In jedes Glas wird etwas von dem Teekonzentrat gegossen und je nach gewuenschter Staerke mit kochendem Wasser aus der unteren Kanne aufgefuellt. Jetzt muss der Tee nur noch nach belieben mit Zucker gesuesst werden.
Halten Sie das Glas am besten am Rande, damit Sie sich die Finger nicht verbrennen.
_Teezubereitung zu Hause_ Neben dem Semaver wird in den privaten Haushalten der Çaydanl1k gern fuer die Teezubereitung verwendet. Der Unterschied zum Semaver ist der, dass der untere Wasserkessel nicht elektrisch erhitzt wird. Der Çaydanlik ist einfacher und praktischer in der Bedienung und die Zubereitung des Tees erfolgt auf dem Kuechenherd.
In der Regel wird zum Tee frischer Trockenkuchen (Kek), Gebaeck (Kurabiye) oder Blaetterteig (mit Schafskaese, Spinatfuellung, Hackfleisch etc.) gereicht.
Expertin im Studio: Nesrin Polat, Tee-Importeurin aus Mainz Fuer weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: SWR Zuschauerpost Telefon: 07221-929-4636 mail: tv@swr.de
http://www.swr.de/kaffee-oder-tee/essen/tee/2004/04/28/index.html

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