Klassischer schwarzer Tee im Vergleich (Info)

1 Bewertung
publiziert auf 1001-Rezept vor 14 Jahren
Share |
Aufwand

URL
Einbetten
Aufrufe 831
Kalorien: - Zubereitungszeit -

Zutaten für (1 Text)

Quelle Kaffee oder Tee, SWR 17.03.2004 Erfasst von Christina Phil:

Zubereitung

_Auf der Suche nach "meiner" Schwarztee-Sorte_ Eine klassische Frage, die einem Teehaendler jeden Tag von einem Kunden gestellt wird, lautet: "Wo liegt eigentlich der Geschmacksunterschied in der Sortenvielfalt?" Diese Frage koennte ganz banal beantwortet werden mit dem Hinweis auf die Unterschiede von mildem und kraeftigem Tee, oder von Gruen- und Schwarztee. Doch hier soll dem Kunden geholfen werden, seinen persoenlichen Teegeschmack zu finden.
Grundsaetzlich faengt der Teehaendler bei dem Gespraech mit dem Geschmack und den Vorstellungen des Kunden an, damit der gekaufte Tee nicht nach dem ersten Probieren tief im Kuechenschrank verschwindet, sondern mit Genuss getrunken wird.
An dieser Stelle sollen einmal drei typische Fragen in einem Teeladen vorgestellt werden, von Kunden auf der Suche nach "ihrer" Schwarztee-Sorte.
* Nachfrage 1: Tee als Ersatz fuer Kaffee Der Kunde hat bisher seinen Kaffee sehr kraeftig und mit Zucker und Milch getrunken, moechte aber gern weniger Kaffee trinken. Er sucht nun einen Tee, der morgens wach macht.
* Nachfrage 2: Wie heisst der Tee, den ich "kuerzlich" getrunken habe? Die Kundin hat bei einer Freundin Tee getrunken, kennt aber weder Sorte noch Name, sondern erinnert sich nur an sein Aussehen: eine braeunliche bis fast roetliche Tassenfarbe, bzw. rotgold. Da er herb schmeckte, musste etwas Zucker hinein.
* Nachfrage 3: Tee und Magenprobleme Ein Kunde hat Magenprobleme und vertraegt keinen Kaffee. Er neigt zu leichter Uebersaeuerung, bzw. zu Sodbrennen. Er hat es schon einmal mit schwarzem Tee probiert, naemlich mit Darjeeling First Flush, und danach Darjeeling Second Flush. Er wollte "mehr Farbe" in der Tasse haben, hat dann aber schon nach der zweiten Tasse ein leichtes Brennen im Magen bekommen.
Dieses kleine Spektrum an alltaeglichen Anfragen zeigt, dass der Verbraucher aus ganz unterschiedlichen Gruenden zu Tee greift, und deswegen auch ganz unterschiedlichen Tee benoetigt.
_Unterscheidungsmerkmale von Anbaugebieten, Sorten und Qualitaeten_ Tee wird in vielen Laendern rund um die Welt angebaut. Zu den Hauptanbaugebieten fuer schwarzen Tee gehoeren Indien, Sri Lanka (frueher Ceylon) und China. Kleinere Anbaugebiete sind Nepal, Java und Afrika (Kenia).
In den einzelnen Laendern gibt es unterschiedliche Anbaugebiete, die sich in der Lage und in der Hoehe unterscheiden. Geschmacksrelevant ist auch, welche Pflanze verwendet wurde (im botanischen Sinn, also ob Assam- oder Chinateepflanze oder eine Kreuzung aus beiden). Der Erntezeitpunkt ist ebenfalls ein wichtiger Punkt zur Geschmacksfindung. Augenfaellig beispielsweise bei der Fruehlings- oder Sommerernte des Darjeeling (first /second flush).
Sehr wichtig sind bei den verwendeten Tees Verarbeitung und Qualitaet. Bei der Blattteequalitaet unterscheidet man generell zwischen grobem und sehr fein zerkleinertem Blatt. So ist der grobe Tee, also das fast ganz gebliebene, getrocknete Blatt immer die mildere, aromatischere Variante. Der Brokentee hingegen ergibt durch die kleinen Teilchen die kraeftigen, wuerzigen Sorten.
Das i-Tuepfelchen gebt man dem Tee mit der Zubereitung und den Zutaten, mit denen man seinen eigenen Tee verfeinert, wie z.B. Milch, Sahne, Zucker oder Zitrone.
_Eigenschaften und Geschmacksspektren einzelner Anbaulaender_ * Indien Anbaugebiet Darjeeling: In der Fruehlingsernte, dann sagt man Darjeeling First Flush, ist der Tee zart, blumig, duftig und hell in der Tasse. Dieser Tee hat aber auch einen hohen Gerbsaeureanteil, was ihn empfindlich in der Ziehzeit macht. Die Sommerernte, man sagt Darjeeling Second Flush, ist etwas voller, etwas wuerziger im Geschmack und nicht ganz so empfindlich bei der Ziehzeit, aber dennoch wird eine kurze Ziehzeit empfohlen. Kenner empfehlen zu beiden Ernten keine Milch.
Anbaugebiet Assam: Der Assamtee wird im allgemeinen als ein kraeftiger, wuerziger, leicht malziger Tee beschrieben. Durch seine dunkle Tassenfarbe wird er bevorzugt mit etwas Milch oder Sahne getrunken. Es gibt aber auch etwas mildere Formen von Assamtee, gut geeignet fuer diejenigen, die im Tee keine Milch trinken moechten, aber seine dunkle Farbe schaetzen.
* Ceylon Anbaugebiete Uva und Dimbula: Tee aus Ceylon ist kraeftig und leicht herb. Er steht rotgold in der Tasse und eignet sich hervorragend zum Fruehstueck. Dieser Tee wird morgens gern als kleiner Wachmacher getrunken. Ceylontee deckt ein breites Geschmacksspektrum ab, das sowohl von dem Assamteetrinker wegen seines vollen Charakters geschaetzt wird, als auch von einem Darjeelingteetrinkers, der ihn wegen seiner Frische anerkennt. Die Sorten Uva und Dimbula unterscheiden sich in ihrer Wuerze und Leichtigkeit voneinander.
* China Fast alle Anbaugebiete in China produzieren milde bis wuerzige, etwas rauchig bis leicht suessliche Tees. Sie sind in der Regel gerbsaeurearm und koennen dadurch eine laengere Ziehzeit vertragen. Deshalb wird chinesischer Schwarztee gerne auch noch abends getrunken. Er steht relativ dunkel in der Tasse und die wuerzigen Sorten koennen sogar mit etwas Milch getrunken werden.
* Nepal Die Nepaltees haben Darjeelingcharakter, stehen eher hell in der Tasse, sind nicht so gerbsaeurehaltig und relativ zieh-unempfindlich.
* Java und Kenia Tees aus diesen Laendern sind kraeftig aromatische Tees mit einer dunklen Tassenfarbe. Keniatee ist mit einem milderen Assamtee vergleichbar, wobei der leicht malzige Charakterzug fehlt.
Javatee hingegen tendiert mehr zum Ceylontee hin, jedoch ist er nicht ganz so herb, aber auch nicht so farbschoen.
_"Auswertung" der Nachfrage 1-3: der Ratschlag zu "seinem eigenen" Tee_ Nun zurueck zu den "Kundenanfragen." Sie haben sicher schon selbst herausgefunden, welchen Tee wir welchem "Kunden" nahe legen.
Im ersten Fall "Tee als Ersatz fuer Kaffee" wuerden wir einen Assamtee, eventuell sogar einen Brokentee empfehlen. Er hat eine dunkle Farbe und einen sehr kraeftigen Geschmack. Mit Milch und Zucker ist er ein Genuss. Die Farbe erinnert stark an die eines Kaffees mit Milch.
Bei der zweiten Anfrage "Wie heisst der Tee, den ich kuerzlich getrunken habe", wuerden wir der "Kundin" einen milderen Ceylon-Blatttee, einen Dimbula, aussuchen. Rotgold in der Tasse, gesuesst und ungesuesst zu trinken.
Im Fall "Tee und Magenprobleme" wuerden wir einen Chinatee, vielleicht eher eine der suesslichen Provenienzen empfehlen. Er ist mild im Geschmack, hat eine gute Farbe und ist wegen seines niedrigen Gerbsaeuregehaltes sehr gut bekoemmlich.
Alle Nicht-Teetrinker oder solche, die noch nicht den Tee ihres Geschmacks entdeckt haben, sollten sich am besten in einem gut sortierten Teefachgeschaeft beraten lassen. Es waere doch schade, wenn man nach der fuenften Sorte, die einem nicht schmeckt, aufgibt, und so nie erfaehrt, was einem entgeht.
Experte im Studio: Iris Kessler, Teehaendlerin aus Stuttgart Fuer weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: SWR Zuschauerpost Telefon: 07221-929-4636 mail: tv@swr.de
http://www.swr.de/kaffee-oder-tee/essen/tee/2004/03/17/index.html

< Klassischer Rumtopf
KLASSISCHER SUPPENTOPF >